38,7
In Zusammenarbeit mit
SMK · Versicherungsmakler AG
aithoria Studie · 01 · 2026

Zwischen
Aufbruch und
Kontrollverlust

Generative KI aus Sicht mittelständischer Unternehmen. Eine Studie über Haltung, Hemmnisse und Erfolgsfaktoren im deutschen Mittelstand.

Maja C. Willimowski aithoria GmbH, Dresden
Basis134 Unternehmen, 7 Interviews
ErhebungFebruar bis März 2026
FormatStudie · 2026
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Übersicht

Zu dieser Studie

Diese Studie ist eine Veröffentlichung der aithoria GmbH, entstanden in Zusammenarbeit mit der SMK Versicherungsmakler AG. Sie basiert auf einer unabhängigen Mixed-Methods-Untersuchung zur Nutzung und Wahrnehmung generativer KI in deutschen kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Autorin
Maja C. Willimowski aithoria GmbH
forschung@aithoria.de
Herausgeber
aithoria GmbH Bayrische Str. 8
01069 Dresden
info@aithoria.de
aithoria.de
Erscheinungsjahr
2026
Danksagung
Die vorliegende Studie entstand in Kooperation mit der SMK Versicherungsmakler AG. Wir danken insbesondere
Marco Gerth
CEO · CIO · Vorstand, SMK Versicherungsmakler AG

für die strategische Begleitung und das Ermöglichen dieser Untersuchung.

Empfohlene Zitation
Willimowski, M. C. (2026). Generative KI aus Sicht mittelständischer Unternehmen: Zwischen Aufbruch und Kontrollverlust. aithoria Studie 01. Dresden: aithoria GmbH.
Prolog

Was die Zahlen sagen

Der deutsche Mittelstand nutzt generative KI laut OECD häufiger als Unternehmen in jedem anderen OECD-Staat. Doch die Zahlen aus unserer Befragung zeigen: Breite Nutzung bedeutet nicht strategische Verankerung. Zwischen ersten Pilotprojekten und einem unternehmensweit gesteuerten Einsatz klafft eine Lücke, die sich weder mit Technik allein schließen lässt noch mit mehr Lizenzen.

38,7 %
der deutschen KMU nutzen generative KI. Höchster Wert aller OECD-Staaten laut der Studie „Generative AI and the SME Workforce" (2025).
4 %
der befragten Unternehmen haben KI und Cloud-Technologien unternehmensweit etabliert und strategisch gesteuert.
42 %
der befragten Unternehmen setzen KI und Cloud-Technologien bislang überhaupt nicht ein.
134
befragte Unternehmen im standardisierten Fragebogen, ergänzt um sieben qualitative Experteninterviews mit Geschäftsführern.

Die Studie zeigt: Erfolg mit generativer KI im Mittelstand hängt primär von Governance-Klarheit und nutzennahen Anwendungsfällen ab. Erst sekundär von der reinen Leistungsfähigkeit der Technologie.

Kernaussage der Studie
Der Erfolg von GenAI in KMU hängt weniger von der Leistungsfähigkeit der Technologie als von ihrer Einbettung in bestehende Strukturen, Kulturen und Entscheidungslogiken ab.
Willimowski (2026) · aus der Zusammenfassung der Studie
Basis · Wie wir gearbeitet haben

Die Studie in Zahlen

Ein Mixed-Methods-Forschungsdesign verbindet eine quantitative Querschnittsbefragung mit qualitativen Experteninterviews und einer systematischen Literaturrecherche. So entsteht Breite und Tiefe zugleich: Muster und Verbreitung auf der einen Seite, Begründungen und Entscheidungslogiken auf der anderen.

134
Unternehmen · Fragebogen
gültige Antworten aus der standardisierten quantitativen Querschnittserhebung.
7
Geschäftsführer · Interviews
halbstrukturierte Experteninterviews aus Handwerk, Produktion und Gewerbe.
274
Seiten Transkript
vollständige Verschriftlichung aller geführten Expertengespräche.
~7 h
Interviewmaterial
kumulierte Gesprächsdauer über alle qualitativen Interviews hinweg.
2.277
Scopus-Artikel
wissenschaftliche Publikationen aus der systematischen Literaturrecherche.
Kapitel 00 · Einleitung

Zwischen Aufbruch und Kontrollverlust.

Der deutsche Mittelstand nutzt generative KI häufiger als der eines jeden anderen OECD-Staats. Und doch ist das Versprechen der Technologie im Alltag der meisten Unternehmen noch nicht angekommen. Diese Studie untersucht den Spalt zwischen Nutzung und strategischer Verankerung und fragt, wie Geschäftsführer ihn erklären.

Die Entwicklungsgeschwindigkeit von generativer KI (GenAI) bringt neue Möglichkeiten, aber auch Risiken für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit sich. Was zunächst als technische Neuerung wahrgenommen wurde, wird zunehmend zum Wirtschaftsfaktor. Kleine und mittelständische Unternehmen stehen in einer besonderen Lage. Ihnen eröffnen sich Produktivitätspotenziale, die sie aus eigener Kraft nicht hätten erschließen können. Gleichzeitig stehen sie vor regulatorischen, organisatorischen und ethischen Fragen, für die ihnen oft die Ressourcen fehlen.

Laut der OECD-Studie „Generative AI and the SME Workforce" (2025) befindet sich der deutsche Mittelstand mit 38,7 % Nutzungsrate an der Spitze aller OECD-Staaten. Diese Zahl überrascht, weil sie dem Bild eines zögerlichen, digital zurückhaltenden Mittelstands widerspricht. Und sie wirft die Frage auf, was sich hinter dieser Nutzungsrate tatsächlich verbirgt: strategische Integration oder pragmatisches Ausprobieren einzelner Werkzeuge.

Die vorliegende Studie geht dieser Frage nach. Sie untersucht, wie deutsche KMU GenAI tatsächlich einsetzen, welche Chancen und Risiken sie wahrnehmen und unter welchen Bedingungen sie die Technologie für nachhaltig nutzbar halten. Der Zugang ist bewusst mehrschichtig: Eine systematische Literaturrecherche in Scopus, eine quantitative Befragung von 134 Unternehmen und sieben qualitative Experteninterviews ergänzen sich zu einem Bild.

Die zentrale Spannung, die dieser Studie ihren Titel gibt, zieht sich durch nahezu alle Gespräche: zwischen dem Druck, bei einer rasanten technologischen Entwicklung nicht den Anschluss zu verlieren, und der Sorge, Kontrolle über Daten, Prozesse und Verhalten der Mitarbeitenden zu verlieren.

Dass regulatorische Rahmen wie die DSGVO seit 2018, der EU AI Act seit August 2024 und das deutsche KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz (KI-MIG) diese Lage prägen, ist der zweite Hintergrund dieser Untersuchung. Unternehmen, die GenAI einsetzen wollen, müssen mehr tun, als eine technische Entscheidung zu treffen.

01
Forschungsfrage · Wahrnehmung
Wie nehmen Geschäftsführer:innen aus deutschen KMU den Einsatz von GenAI wahr?
02
Forschungsfrage · Handlungsableitung
Was sind Erfolgsfaktoren für die Implementierung GenAI in deutschen KMU?
Kapitel 01 · Status Quo

Das deutsche Paradox

Der deutsche Mittelstand nutzt generative KI so häufig wie keiner in der OECD. Und doch: Nur vier Prozent der in unserer Studie befragten Unternehmen haben KI- und Cloud-Technologien unternehmensweit etabliert und strategisch gesteuert. Dazwischen liegt eine Landschaft aus Pilotprojekten, Einzelanwendungen und Ausprobieren.

Stufe 01
42%
Noch nicht im Einsatz
Stufe 02
31%
Einzelne Anwendungen oder Pilotprojekte
Stufe 03
22%
Regelmäßiger Einsatz in einzelnen Bereichen
Stufe 04 · Ziel
4%
Unternehmensweit etabliert und strategisch gesteuert
1 % · „Kann ich nicht beurteilen" — außerhalb der Reife-Skala geführt

42 % bleiben an der Seitenlinie.

Die größte Einzelgruppe der Stichprobe setzt KI und Cloud-Technologien noch gar nicht ein.

53 % haben angefangen, aber nicht zu Ende gedacht.

Summiert man Pilotprojekte (31 %) und punktuellen Einsatz (22 %), landet man bei mehr als der Hälfte. Das ist der Spielraum, in dem sich die eigentliche Frage entscheidet: Schaffen es diese Unternehmen über die Schwelle? Die qualitativen Interviews werden zeigen, dass genau diese Schwelle selten an der Technologie scheitert.

Nur 4 % haben KI wirklich integriert.

Diese Zahl ist die eigentliche Nachricht der quantitativen Erhebung. Was haben diese Unternehmen anders gemacht? Die Antwort hat weniger mit der Technologie als mit der Organisation zu tun, die sie einbettet.

Abbildung 02 · Branchenverteilung
Herstellendes und produzierendes Gewerbe
34 %
Dienstleistungen und Beratung
21 %
Bau- und Ausbaugewerbe
18 %
Sonstige Branche
14 %
Handel und Distribution
6 %
Immobilienwirtschaft
4 %
Handwerk
2 %
E-Commerce
1 %
Kapitel 02 · Die Haltung

Die ambivalente Haltung

Die sieben Geschäftsführer, mit denen wir gesprochen haben, verbindet weniger eine gemeinsame Haltung als eine gemeinsame Ambivalenz. Vier Zitate, die das Spannungsfeld zwischen Vorsicht und Pragmatismus sichtbar machen.

An der Stelle habe ich die Handbremse ganz bewusst angezogen. Weil mir noch viel zu wenig klar ist, was welche Auswirkungen in welchem Bereich hat, bevor man dann einfach sagt, wir schalten jetzt alle Kanäle frei und wissen gar nicht, wo diese Daten nachher landen.
Experte 01 · Tischlerhandwerk · 25 Mitarbeiter
[…] man muss vorher klären, was geht und was geht nicht und dann muss man sagen: ‚O.K., lass es uns jetzt einfach mal probieren.' Und auch da ist tatsächlich die Philosophie, wenn es nicht geht, dann lassen wir es eben sein.
Experte 02 · Funktionale Oberflächenbeschichtungen · ca. 100 Mitarbeiter
Die größte Herausforderung ist die KI-Strategie, beziehungsweise ich muss es eigentlich noch drastischer formulieren, die Unternehmensstrategie neu zu entwickeln, weil wir unser Geschäftsmodell aus den letzten 50 Jahren so auf Dauer vermutlich nicht werden halten können, weil die Standardaufgaben, die wir in der Vergangenheit erfüllt haben, jedenfalls anders in Zukunft gelöst werden müssten.
Experte 07 · Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung · 300 Mitarbeiter
Ja, also für uns ist sie (GenAI) natürlich immer da, wo es zum Kunden qualitativ besser wird. Also, wenn wir schneller entwickeln, wenn wir dem Kunden schneller Lösungen anbieten können, wenn wir […] Kalkulationen auch schon anbieten können in der Phase, wo wir noch nicht mal wissen, ob wir es machen können.
Experte 02 · Funktionale Oberflächenbeschichtungen · ca. 100 Mitarbeiter

Die Zitate zeigen, dass Zurückhaltung im Mittelstand selten in Technologiekritik wurzelt. Sie ist in fast allen Fällen Risikosteuerung: ein bewusstes Abwägen zwischen Wettbewerbsvorteil und Kontrollverlust. Sobald sich Bedingungen klären, bewegen sich die Unternehmen.

Framework · Haltungen im Vergleich

Zwischen Handbremse und „wir haben keine Wahl".

Trägt man die Grundhaltungen der sieben Interviewten auf einer Achse ab, entsteht eine Verteilung, die sich nicht linear entlang der Unternehmensgröße oder der Branche lesen lässt. Die Positionierung folgt eher der strategischen Reife und dem wahrgenommenen Handlungsdruck.

Linker PolHandbremse
erst ausprobieren, dann klären
Rechter PolWir haben keine Wahl
E01 E05 E02 E03 E06 E04 E07

Wer strategisch am weitesten entwickelt ist, formuliert auch am klarsten den Innovationsdruck. Wer am zurückhaltendsten ist, begründet das nicht mit Technikfeindlichkeit, sondern mit dem Fehlen klarer Strukturen.

Die Extreme bestätigen dieselbe Grunderkenntnis: Ohne Governance wird die Frage nach KI-Einsatz zum Bauchthema. Wer strategisch weit ist, hat die Governance-Frage schon beantwortet. Wer zurückhaltend ist, ringt noch mit ihr.

Kapitel 03 · Die verborgene Nutzung

Die verborgene Nutzung

Wer als Geschäftsführer die Handbremse bei KI zieht, glaubt oft, er habe das Thema unter Kontrolle. Tatsächlich beginnt damit erst die eigentliche Governance-Frage.

Definition
Schatten-IT beschreibt Systeme, die von Endnutzern ohne Wissen der IT-Abteilung eingesetzt werden. Dazu gehören vermehrt auch GenAI-Systeme wie ChatGPT, weshalb manche Autoren in diesem Kontext den Begriff „Schatten-KI" nutzen. Diese Systeme werden von den IT-Abteilungen weder unterstützt noch kontrolliert.
Ich muss mir halt Gedanken drüber machen, wem gebe ich die KI, was investiere ich in diese, was sind meine Zielerwartungen, wofür soll sie genutzt werden und welche Spielregeln gebe ich in der Nutzung von Dokumenten, Hochladen von Dokumenten und Weitergabe von Informationen. Das ist eher ein internes organisatorisches Thema.
Experte 03 · Interessenvertretung Fenster/Fassaden/Türen · ca. 50 Mitarbeiter

Die quantitative Erhebung zeigt einen hohen Anteil informeller, nicht-strategischer GenAI-Nutzung. Wenn die Unternehmensleitung keine klaren Vorgaben macht oder den Einsatz pauschal ablehnt, verschwindet die Technologie nicht. Sie wandert in die Hände der Mitarbeitenden, die sie außerhalb formaler Prozesse nutzen.

Formale Zurückhaltung gewährleistet selten faktische Kontrolle. Sie verschiebt das Problem von der Strategie- auf die Ausführungsebene. Schatten-KI ist keine Disziplinierungs-, sondern eine Strukturfrage. Sie wird nicht durch Verbote gelöst, sondern durch Spielregeln.

Kapitel 04 · Rahmen und Regeln

Governance als Architektur

Die Interviews machen deutlich, dass generative KI für die befragten Geschäftsführer keine IT-, sondern eine Organisationsfrage ist. Governance im Sinne klarer Verantwortlichkeiten, Spielregeln und Messbarkeit ist die Voraussetzung, nicht das Ergebnis der Einführung.

2018
25. Mai 2018
DSGVO
Europa · Datenschutz
Europäische Grundlage für den Umgang mit personenbezogenen Daten.
2024
01. August 2024
EU AI Act
Europa · KI-Verordnung
Risikobasierte Klassifikation von KI-Systemen, menschliche Aufsicht gefordert.
2026
11. Februar 2026
Nationale Aufsicht
Deutschland · Aufsicht
Bundesnetzagentur als nationale Marktüberwachungsbehörde bestimmt.
laufend
in Umsetzung
KI-MIG
Deutschland · Durchführung
Zuständigkeiten, Bußgeldverfahren, Innovationsförderung.
Ich glaube eher, dass eine gewisse Regulatorik und eine gewisse Eingrenzung dessen, dass wir uns in vernünftigen, beherrschbaren Prozessen bewegen, gerade bei diesem exponentiellen Weiterentwicklungs-Tempo wichtig ist. […] Wenn Sie mich momentan als Geschäftsführer fragen, ist für mich ein wichtiges hohes Gut die Datenseriösität und die DSGVO-mäßige Konformität.
Experte 03 · Interessenvertretung Fenster/Fassaden/Türen · ca. 50 Mitarbeiter
Abbildung 04 · Die häufigsten Hindernisse (OECD 2025)
57,3 % sagen „Technologie passt nicht" · 54,1 % nennen Rechtsbedenken · 52,5 % sorgen sich um Datenkontrolle · 49,8 % fehlt die Kompetenz
Quelle: OECD (2025), Generative AI and the SME Workforce. Mehrfachnennungen zugelassen.
Kapitel 05 · Menschen und Fähigkeiten

Menschen, Kompetenzen, Kultur

Technik lässt sich lizenzieren. Kompetenz nicht. Die erfolgreiche Einführung von generativer KI hängt in KMU maßgeblich von den Fähigkeiten der Mitarbeitenden ab.

Wahrgenommene
Nützlichkeit
Wahrgenommene
Benutzerfreundlichkeit
Nutzungsabsicht
Tatsächliche
Anwendung
01
Lernorientierung.
Kontinuierliche Anpassung an neue Arbeitsweisen in der Mensch-KI-Kollaboration. Lernen wird selbst zur Kernkompetenz.
02
Technologische Affinität und Neugier.
Mitarbeitende interagieren aktiv mit sich entwickelnden Werkzeugen, erkunden Anwendungsfälle und verfolgen regulatorische Entwicklungen.
03
Adaptabilität.
In KMU füllen Mitarbeitende mehrere Rollen parallel. Die Einführung von KI verschiebt Aufgabenprofile und Kooperationsformen.
04
Kritische Bewertung von KI-Ausgaben.
Generative KI halluziniert. Mitarbeitende müssen Ergebnisse einordnen und Plausibilität prüfen können.
05
Mitgestaltung statt reiner Anwendung.
Mitarbeitende sind nicht nur Nutzer, sondern aktive Gestalter der Einführung. In flachen Hierarchien verfügen sie über Handlungsspielräume.
Wie schlau wird KI und wie doof werden wir Menschen? Das ist die perspektivisch spannende Frage, die ich dann sehe.
Experte 03 · Interessenvertretung Fenster/Fassaden/Türen · ca. 50 Mitarbeiter
Kapitel 06 · Synthese

Die vier Erfolgsfaktoren

Quer durch alle sieben Interviews, die Literaturrecherche und die quantitative Befragung ziehen sich vier Faktoren, die zusammen eine Erfolgsbedingung formen. Sie beschreiben, was die Unternehmen der 4-Prozent-Spitze anders machen als der Rest.

01
Anwendungsfall-getriebenes Vorgehen.
Der Nutzen für konkrete Arbeitsprozesse muss klar erkennbar sein. Erfolgreiche Einführungen starten bei einer realen Reibung im Tagesgeschäft.
„Für uns ist sie natürlich immer da, wo es zum Kunden qualitativ besser wird."
Experte 02
02
Robuste Governance und Datenschutz.
Klare Verantwortlichkeiten, definierte Spielregeln und dokumentierte Datenflüsse sind die Voraussetzung für Vertrauen, Rechtssicherheit und die Eindämmung informeller Nutzung.
„Welche Spielregeln gebe ich in der Nutzung von Dokumenten und Weitergabe von Informationen."
Experte 03
03
Technikaffines Personal als Übersetzer.
Die Einbindung technikaffiner Mitarbeitender ist zentral, weil sie als Übersetzer zwischen Technologie, Management und Belegschaft fungieren.
04
Transparente Kommunikation.
GenAI darf nicht als Ersatz menschlicher Arbeit kommuniziert werden, sondern als unterstützendes Werkzeug. Wo Mitarbeitende Ersatz wittern, entsteht Widerstand. Wo sie Entlastung erleben, entsteht Adoption.
Kapitel 07 · Abschluss

Zusammenfassung

Der Erfolg generativer KI im Mittelstand hängt weniger von der Leistungsfähigkeit der Technologie ab als davon, wie sie in bestehende Strukturen, Kulturen und Entscheidungslogiken eingebettet wird. Die Experteninterviews bestätigen die quantitativen Ergebnisse: Wo Governance klar ist, entsteht Tempo. Wo sie fehlt, entstehen entweder Handbremse oder Schatten-KI.

Damit verschiebt sich die Einordnung generativer KI. Sie ist im Mittelstand primär eine Transformations- und Governance-Aufgabe und erst sekundär eine technologische Innovation. Die vier Erfolgsfaktoren aus Kapitel 06 sind die praktische Antwort auf diese Einsicht.

Ein handlungsrelevanter Hinweis aus den Interviews: Förderprogramme auf Bundes- und Länderebene können einen Teil der Transformationskosten abfedern, sind aber vielen Mittelständlern nicht bekannt.

Was ich vielleicht noch aufnehmen würde, ist das Thema Förderung. Es gibt interessante Programme, welche auch viele Mittelständler nicht kennen, damit kann man schon diese Transformationskosten, die zweifellos da sind, ein bisschen abfedern.
Experte 07 · Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung · 300 Mitarbeiter
Kernaussage der Studie
Der Erfolg von GenAI in KMU hängt weniger von der Leistungsfähigkeit der Technologie als von ihrer Einbettung in bestehende Strukturen, Kulturen und Entscheidungslogiken ab.
Willimowski (2026) · aus der Zusammenfassung der Studie
Methodik

Mixed-Methods-Forschungsdesign

Die vorliegende Studie folgt einem Mixed-Methods-Forschungsdesign. Dieses kombiniert eine quantitative Umfrage und qualitative Experteninterviews sequentiell und partnerschaftlich.

Säule 01
2.277
Artikel
Scopus-Datenbank
Literaturrecherche mit dreistufigem Selektionsprozess.
Säule 02
134
Unternehmen
42 Tage Feldzeit
Standardisierter Fragebogen, Ø 6 Min. 15 Sek.
Säule 03
7
Geschäftsführer
ca. 7 Stunden Gespräche
Halbstrukturierte Interviews, 274 Seiten Transkript.
Die Interviewpartner

Sieben Geschäftsführer

Befragt wurden Geschäftsführer aus Handwerk, Produktion und Gewerbe. Alle Interviews sind anonymisiert.

01
Hauptgeschäftsführer
ca. 25 MA
Tischlerhandwerk
02
Gesellschafter & GF
ca. 100 MA
Funktionale Oberflächenbeschichtungen
03
GF & Sprecher der GF
ca. 50 MA
Fenster, Fassaden, Türen
04
Kaufm. GF der Holding
150 MA
Handwerk
05
Geschäftsführer
ca. 30 MA
Orthopädische Medizinproduktion
06
Geschäftsführer
200 MA
Außenfassade · Fenster, Türen
07
Geschäftsführer
300 MA
Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung
Autorin und Herausgeber

Über diese Studie

Autorin
Maja C.
Willimowski
ORCID 0009-0000-8412-2926

Maja C. Willimowski forscht im Bereich Human-AI-Collaboration bei aithoria. Die vorliegende Studie ist ihre vierte Publikation.

Kontaktforschung@aithoria.de
Herausgeber
aithoria
GmbH

Dreifach Microsoft-zertifizierte KI-Beratung für den deutschen Mittelstand mit Sitz in Dresden. Begleitung bei Microsoft Copilot, Azure AI, KI-Governance und Mitarbeiterschulung.

aithoria GmbHBayrische Str. 8 · 01069 Dresden
info@aithoria.de · aithoria.de
+49 351 897 329 37
Quellenverzeichnis

Quellen und Referenzen

Die folgenden Referenzen bilden die wissenschaftliche Grundlage dieser Studie. Die vollständige Liste mit DOIs finden Sie in der PDF-Fassung.

1
Y. Cho et al. „A study on Gen-AI technology development trends to enhance SME digital competence", J. Entrep. Emerg. Econ., 2025.
2
F. L. G. Mota et al. „The dark side of the moon: Generative AI chatbots' negative effects on SMEs", Technol. Forecast. Soc. Change, 2026.
4
OECD, „Generative AI and the SME Workforce", 2025.
6
EU AI Act — Regulation (EU) 2024/1689, 2024.