Copilot Wave 3: Was die Neuerungen wirklich für dein Unternehmen bedeuten

Am 9. März hat Microsoft die dritte große Evolutionsstufe von M365 Copilot vorgestellt – die sogenannte Wave 3. Und wie immer bei solchen Ankündigungen überschlagen sich die Feature-Listen und Produktnamen. Wir bei Aithoria wollen dir heute aber nicht einfach die Pressemitteilung nacherzählen. Davon gibt es schon genug im Netz. Stattdessen geben wir dir unsere ehrliche Einschätzung: Was ist wirklich relevant? Wo lauern Fallstricke? Und was solltest du als Entscheider oder IT-Verantwortlicher jetzt auf dem Schirm haben?
Kurzer Rückblick: Der Weg zu Wave 3

Wer sich erinnert: Wave 1 markierte im November 2023 den offiziellen Start von M365 Copilot, die erstmalige Integration der KI-Assistenz in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams. Das Versprechen war groß, die Realität jedoch ernüchternd: Damals lief noch GPT-3.5 unter der Haube, viele Features wie Copilot in Excel waren zum GA-Termin schlicht nicht fertig, und die Ergebnisse blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Wer in der Early-Access-Phase dabei war, weiß: Produktiv nutzbar war das kaum.
Mit Wave 2 im September 2024 wurde es spürbar besser. GPT-4o kam ins Spiel, erste Use Cases ergaben tatsächlich Sinn, und Microsoft hat gelernt, neue Modelle schnell in den Copilot zu integrieren. Die Ankündigungen von GPT-5.2 und 5.4 durch OpenAI wurden nahezu in Echtzeit in den Copilot übernommen, Chapeau, das funktioniert.
Jetzt, mit Wave 3, geht Microsoft einen deutlich ambitionierteren Schritt. Es geht nicht mehr nur um bessere Antworten auf Prompts. Es geht um eigenständig arbeitende KI-Agenten, ein komplett neues Lizenzmodell und - das ist die eigentliche Überraschung – eine tiefgreifende Partnerschaft mit Anthropic, dem Unternehmen hinter Claude.
Copilot Cowork: Wenn der digitale Kollege eigenständig arbeitet
Das absolute Highlight von Wave 3 ist Copilot Cowork. In enger Zusammenarbeit mit Anthropic hat Microsoft die Technologie hinter Claude Cowork in die M365-Welt gebracht. Der Name ist Programm: Cowork funktioniert wie ein digitaler Kollege, der nicht nur auf einzelne Fragen antwortet, sondern eigenständig mehrstufige Aufgaben über längere Zeiträume hinweg bearbeitet.

Konkret kann Cowork zum Beispiel deinen Kalender analysieren, Konflikte identifizieren, Meetings nach Priorität bewerten und dir anschließend Absage-Mails und Präsentationen für die verbleibenden Termine vorbereiten – alles in einem Arbeitsgang. Das ist kein „generiere mir mal einen Text", sondern echte Delegation von Aufgaben.
Dank Work IQ, der neuen Intelligenzschicht von Microsoft, hat Cowork dabei Zugriff auf deinen gesamten Arbeitskontext: E-Mails, Teams-Nachrichten, Dateien, Beziehungen und Arbeitsmuster. Damit liefert der Copilot deutlich präzisere Ergebnisse als generische KI-Tools, die nur auf ein einzelnes Dokument oder eine Konversation zugreifen können.
Wichtig: Copilot Cowork befindet sich aktuell noch in einer Research Preview und wird zunächst über das Frontier-Programm von Microsoft an ausgewählte Kunden ausgerollt. Für die breite Verfügbarkeit müssen wir uns also noch etwas gedulden. Für den Zugang ist mindestens eine M365 Copilot-Lizenz (26 €/Nutzer/Monat) erforderlich – Cowork ist also nicht ausschließlich an die neue E7-Lizenz gebunden.
Die E7-Lizenz: Microsoft bündelt alles in einem Paket
Und damit kommen wir zum neuen Elefanten im Raum: Microsoft 365 E7, die sogenannte „Frontier Suite". Ab dem 1. Mai 2026 verfügbar, kostet sie 99 Euro pro Nutzer und Monat und vereint:
- Microsoft 365 E5 (also den bisherigen Top-Tier, aktuell 55,20 €/Nutzer/Monat)
- Microsoft 365 Copilot (bisher ein separates Add-on für 26 €)
- Agent 365 (die neue Governance-Plattform für KI-Agenten, 15 Euro als Einzellizenz)
- Microsoft Entra Suite sowie erweiterte Defender-, Intune- und Purview-Funktionen
Für Unternehmen, die heute schon E5 und Copilot im Einsatz haben, ist E7 auf den ersten Blick ein attraktives Bundle. Kauft man E5, Copilot und Agent 365 separat, liegt man aktuell bei rund 96 Euro. Ab Juli 2026 sogar bei ca. 105 Euro, wenn die angekündigten Preiserhöhungen greifen (E5 auf ~60 €, Copilot auf ~30 €). E7 für 99 Euro wird dann spürbar günstiger als die Einzelkomponenten.
Aber, und hier wird es für den Mittelstand spannend: Wer heute auf E3 setzt und mit Copilot liebäugelt, steht vor einer anderen Rechnung. E3 kostet aktuell ca. 34 Euro. Wer Copilot (26 €) und Agent 365 (15 €) dazubucht, landet bei rund 75 Euro, ohne die erweiterten Security- und Compliance-Features der E5. Der Sprung auf E7 mit 99 Euro ist dann ein erheblicher Kostenfaktor, der gut durchgerechnet sein will.

Unsere Einschätzung: E7 ist kein Muss für alle, aber es signalisiert klar, wohin die Reise geht. Microsoft möchte KI nicht mehr als optionales Add-on verkaufen, sondern als integralen Bestandteil des Enterprise-Stacks. Für Unternehmen, die KI ernsthaft produktiv einsetzen wollen, wird E7 langfristig der natürliche Einstiegspunkt.
Agent 365: Governance wird endlich ernst genommen

Ein Thema, das wir bei Aithoria schon seit Monaten auf dem Schirm haben: Wer KI-Agenten im Unternehmen einsetzt, braucht dringend ein Governance-Framework dafür. Und genau hier setzt Agent 365 an.
Agent 365 ist die zentrale Steuerungsebene für alle KI-Agenten im M365-Ökosystem. Admins können damit sehen, welche Agents existieren, welche Berechtigungen sie haben, welche Aktionen sie ausführen, und sie gezielt steuern oder einschränken. Das Ganze integriert sich in bestehende Microsoft-Security-Werkzeuge wie Defender, Entra und Purview.
Wir haben Agent 365 gefeiert, als wir es das erste Mal gesehen haben. Was uns allerdings weniger begeistert: Dass Microsoft für diese aus unserer Sicht grundlegend notwendige Admin-Funktionalität 15 Euro pro Nutzer und Monat verlangt. Governance sollte keine Premium-Option sein, wenn man gleichzeitig möchte, dass Unternehmen KI-Agenten massenhaft einsetzen. Hier hätte Microsoft mutiger sein können.
Trotzdem: In einer Welt, in der Agents zunehmend eigenständig E-Mails versenden, Kalender verwalten und auf Unternehmensdaten zugreifen, wird eine Control-Plane wie Agent 365 schlicht zur Pflicht. Die Verfügbarkeit ab 1. Mai 2026 solltest du dir vormerken.
DSGVO-Alarm: Das Claude-Problem in der EU
Jetzt kommen wir zu einem Punkt, der uns besonders wichtig ist und der in der Begeisterung über die neuen Features leicht untergeht: die Datenschutz-Implikationen der Claude-Integration in Copilot.
Wir bei Aithoria haben unseren Kunden bereits seit der ersten Claude-Integration im September 2025 geraten, die Anthropic-Option im Admin-Portal nicht zu aktivieren. Der Grund war und ist klar: Anthropic ist nicht Bestandteil der EU Data Boundary von Microsoft. Das bedeutet, dass bei der Nutzung von Claude-Modellen innerhalb von Copilot die Datenverarbeitung nicht innerhalb der EU-Grenzen garantiert wird.

Microsoft hat das inzwischen selbst bestätigt [1]: Für Tenants in der EU, im EWR und im Vereinigten Königreich ist Anthropic standardmäßig deaktiviert. Admins müssen explizit opt-in, um Claude nutzen zu können. Das ist ein bewusster Schritt von Microsoft, der die Datenschutz-Problematik anerkennt.
Seit Januar 2026 operiert Anthropic als Microsoft-Subprozessor unter Microsofts eigenen Produktbedingungen und dem Data Protection Addendum (DPA) [2]. Die Enterprise Data Protection (EDP) greift also grundsätzlich. Allerdings – und das ist der entscheidende Punkt – ändert das nichts an der Tatsache, dass die Datenverarbeitung bei Claude-Nutzung außerhalb der EU stattfinden kann.
Was bedeutet das konkret für Wave 3? Copilot Cowork basiert auf Claude-Technologie. Wenn Cowork also auf Claude als primäres Reasoning-Modell angewiesen ist, gelten dieselben EU-Data-Boundary-Einschränkungen. Es ist derzeit davon auszugehen, dass Copilot Cowork für EU-Kunden entweder eingeschränkt oder nur nach explizitem Opt-in verfügbar sein wird.
Auch die neue Multi-Modell-Auswahl im Copilot Chat, bei der Nutzer zwischen GPT und Claude wählen können, unterliegt denselben Bedingungen: Wer Claude auswählt, verlässt potenziell die EU Data Boundary.
Unsere klare Empfehlung: Bevor du Claude-Features in deinem Tenant aktivierst, führe eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA/DPIA) durch. Prüfe gemeinsam mit deinem Datenschutzbeauftragten, ob die Verarbeitung personenbezogener Daten über Claude-Modelle mit deiner DSGVO-Strategie vereinbar ist. Für Unternehmen in regulierten Branchen raten wir aktuell weiterhin zur Vorsicht. Solange Anthropic keine EU-Datenverarbeitung garantiert, bleiben hier offene Fragen.
Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich diese Situation verbessern wird. Microsoft und Anthropic haben ein offensichtliches Interesse daran, die EU-Compliance nachzubessern, entweder durch ein regionales Hosting auf Azure innerhalb der EU oder durch eine Erweiterung der EU Data Boundary auf Anthropic-Workloads. Bis dahin gilt: Augen auf bei der Claude-Aktivierung.
Was wir aus Wave 3 mitnehmen
Wave 3 ist kein inkrementelles Update. Es ist ein Paradigmenwechsel in der Art, wie Microsoft KI im Arbeitsalltag positioniert. Drei zentrale Entwicklungen stechen heraus:
Erstens: Von Assistenz zu Agentic. Copilot ist kein Chat-Tool mehr, das auf Fragen antwortet. Mit Cowork und den erweiterten Agent-Fähigkeiten in Word, Excel, PowerPoint und Outlook übernimmt die KI echte Aufgaben – mehrstufig, über Apps hinweg, über Minuten oder Stunden. Das „Agent Mode" in Excel und Word heißt jetzt übrigens schlicht „Edit with Copilot" und ist bereits allgemein verfügbar. PowerPoint und Outlook folgen in den kommenden Monaten.
Zweitens: Multi-Modell wird Standard. Microsoft löst sich von der Abhängigkeit von einem einzigen Modell-Anbieter. Claude, GPT und perspektivisch weitere Modelle werden je nach Aufgabe dynamisch eingesetzt. Das ist strategisch klug und schützt vor Lock-in. Gleichzeitig erzeugt es Komplexität – insbesondere bei Datenschutz und Compliance, wie wir gesehen haben.
Drittens: KI-Governance wird zum Pflichtprojekt. Mit Agent 365 liefert Microsoft erstmals ein dediziertes Werkzeug für die Verwaltung und Überwachung von KI-Agenten. Das ist überfällig und signalisiert: Wer Agents im Unternehmen einsetzt, ohne eine Governance-Strategie zu haben, handelt fahrlässig.
Was du jetzt tun solltest
Anstatt in Aktionismus zu verfallen, empfehlen wir drei konkrete Schritte:
Lizenzstrategie prüfen: Rechne durch, was E7 für dein Unternehmen bedeutet. Vergleiche deine aktuelle E3- oder E5-Situation mit den neuen Bundles. Denke dabei nicht nur an die Kosten, sondern auch an den Funktionsumfang, den du tatsächlich nutzen wirst.
DSGVO-Position klären: Prüfe den Status der Anthropic-Integration in deinem Tenant. Wenn du Claude-Features aktivieren möchtest, dokumentiere die Entscheidung sauber und führe eine DSFA durch. Warte im Zweifel auf eine Lösung innerhalb der EU Data Boundary.
Use Cases identifizieren: Wave 3 ist am stärksten dort, wo klare, wiederholbare Prozesse existieren. Onboarding-Workflows, Meeting-Vorbereitung, Datenanalyse in Excel – das sind die Szenarien, in denen die neuen agentischen Fähigkeiten sofort Mehrwert liefern.
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Quellen:
[1] Microsoft Learn: Anthropic as a subprocessor for Microsoft Online Services – Offizielle Dokumentation zu Anthropic-Modellen in M365 Copilot, EU Data Boundary-Ausschluss und Admin-Steuerung.
[2] Microsoft Learn: Data, Privacy, and Security for Microsoft 365 Copilot – Datenschutz- und Compliance-Dokumentation zu M365 Copilot, inkl. Anthropic-Subprozessor-Status.
[3] Microsoft 365 Blog: Powering Frontier Transformation with Copilot and agents – Offizielle Wave 3-Ankündigung von Jared Spataro, 9. März 2026.
[4] The Official Microsoft Blog: Introducing the First Frontier Suite built on Intelligence + Trust – Ankündigung von Microsoft 365 E7 und Agent 365 durch Judson Althoff.
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