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KI Trainingskonzepte: Warum eine Copilot-Schulung noch keine Einführung ist
9
min. Lesezeit

23 July 2026

KI Trainingskonzepte: Warum eine Copilot-Schulung noch keine Einführung ist

Eine Copilot-Schulung ist gebucht, trotzdem bleibt die Nutzung hinter den Erwartungen zurück. Das liegt selten an der Technologie. Es liegt daran, dass ein einzelnes Format eine Aufgabe übernehmen soll, die mehrere unterschiedliche Formate braucht: Impulsvortrag, Grundlagentraining, Governance-Schulung und laufende Begleitung. Welche Kombination in welcher Reihenfolge wirklich funktioniert, zeigt dieser Artikel.
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Maja Willimowski

Microsoft AI Consultant

Ihr habt eine Copilot-Schulung gebucht, vielleicht sogar einen Impulsvortrag für die gesamte Belegschaft dazu. Trotzdem nutzt drei Monate später kaum jemand das Tool anders als vorher. Die Lizenzen laufen, die Zahlen im Adoption-Dashboard bewegen sich kaum, und im Flurfunk hört man vor allem: "Ich hab das mal ausprobiert, aber im Alltag komm ich nicht dazu."

Das ist kein seltenes Vorgehen bei Unternehmen, die KI einführen wollen. Es ist das wahrscheinlichste Ergebnis, wenn ein einzelnes Format die Aufgabe einer ganzen Einführung übernehmen soll. Eine Schulung vermittelt Wissen über das Tool. Sie verändert aber nicht automatisch, wie Menschen ihren Arbeitstag strukturieren, welche Aufgaben sie überhaupt an ein KI-Tool delegieren würden, oder ob sie sich trauen, in einem Meeting offen zu sagen, dass Copilot ihnen eine E-Mail vorformuliert hat. Genau diese Lücke zwischen "Wissen, dass es das Tool gibt" und "Es tatsächlich im Arbeitsalltag nutzen" ist das Thema dieses Artikels: Warum eine Copilot-Schulung noch keine Einführung ist und wie ein passendes Trainingskonzept aussieht.

Wir haben in unserem vorherigen Blogpost gezeigt, dass dieses Muster nicht neu ist. ERP, Cloud-Migrationen und Big Data zeigten dieselbe Lücke zwischen "installiert" und "wirklich verändert genutzt". Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob eine Schulung reicht. Sie lautet, welche Formate ein Unternehmen tatsächlich braucht und wann. Genau darum geht es hier.

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Das Problem hinter dem Hype

Ein Beispiel aus einem Projekt der letzten Monate: Ein produzierendes Gewerbe mit rund 25.000 Mitarbeitenden hatte kurz vor unserem ersten Gespräch bereits Copilot-Schulungen für alle Abteilungen durchgeführt. Vier Stunden, ein externer Trainer, dieselbe Agenda für Vertrieb, Buchhaltung und Konstruktion. Ein Jahr später zeigte die Nutzungsauswertung: unter 10 Prozent der Lizenzen wurden überhaupt aktiv genutzt. Nun wird bei uns dasselbe Programm angefragt, mit dem Ziel die Nutzung wieder zu steigern und die Mitarbeitenden an ihre bestehende Lizenz zu erinnern.

Das lag nicht am Trainer und nicht an Copilot. Es lag daran, dass vier Stunden Frontalvortrag für drei Abteilungen mit komplett unterschiedlichen Anwendungsfällen strukturell nicht ausreichen können. Der Vertrieb hätte etwas anderes gebraucht als die Konstruktion. Und niemand hatte danach die Aufgabe, offene Fragen einzusammeln oder zu prüfen, ob das Gelernte im Alltag ankommt.

Das ist der blinde Fleck, den wir in den meisten Copilot-Einführungen sehen. Eine einzelne Schulung lässt sich schnell organisieren und erzeugt sofort Sichtbarkeit im Unternehmen. Nach außen wirkt das Thema damit erledigt. Der schwierigere Teil beginnt aber erst danach: Wer hilft, Anwendungsfälle zu priorisieren? Wer beantwortet Fragen, die drei Wochen nach der Schulung auftauchen, wenn der erste Enthusiasmus schon wieder verflogen ist? Wer prüft, ob Copilot tatsächlich in wiederkehrenden Aufgaben landet, statt ungenutzt neben dem Tagesgeschäft herzulaufen?

Ein KI-Trainingskonzept, das diese Fragen nicht mitdenkt, ist streng genommen kein Konzept. Es ist ein einzelner Termin mit gutem Willen.

Das Interessante dabei: Die meisten Verantwortlichen, mit denen wir sprechen, wissen das eigentlich. Fragt man direkt, ob eine einzelne Schulung für eine nachhaltige Einführung reicht, sagen fast alle Nein. Trotzdem fällt die Entscheidung am Ende oft anders aus, weil ein umfassenderes Konzept mehr Abstimmung, Kapazitäten, Überzeugungsarbeit beim Management sowie Budget braucht und langsamer sichtbar wird als ein einzelner, schnell gebuchter Termin. Das Problem ist also seltener fehlendes Wissen. Es ist die Entscheidung, den nötigen Aufwand trotzdem nicht einzuplanen.

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Verschiedene Trainingsformate im Überblick

Der häufigste Fehler bei KI-Trainingskonzepten ist nicht zu wenig Schulung. Es ist die Annahme, ein Format könne alle Bedürfnisse gleichzeitig bedienen. Ein Impulsvortrag, eine KI-Grundlagenschulung und ein Governance-Workshop sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Sie verfolgen aber völlig unterschiedliche Ziele.

Trainingsformate im Überblick
Welches Format wofür, und was es nicht ersetzt
Format Erklärung Ziel Was es NICHT ersetzt
Impulsvortrag 1-3 Stunden demonstrativer Vortrag über verschiedenste Nutzungsmöglichkeiten, Überblick zu verschiedenen Mircosoft KI Themen mit der Möglichkeit Fragen zu stellen Awareness und Motivation bei Führung und Belegschaft schaffen Praktische Kompetenz im Alltag
KI-Grundlagenschulung 2-4 Stunden Grundlagen der KI sowie Funktionen und Anwendungen von Copilot Basiswissen vor der eigentlichen Schulung aufbauen, inklusiver praxisorientierter Hausaufgabe Bereitstellung weiterführender Materialien der firmeninternen Richtlinien und Guidelines
Copilot Schulung 3-8 Stunden Demonstrationen und Übungen zu Funktionen in Copilot mit direkter Relevanz für die Zielgruppe. Möglichkeit der Mitarbeit durch die Teilnehmer:innen Skill in kleinen, zielgruppenspezifischen Gruppen aufbauen, inklusiver praxisorientierter Hausaufgabe Einen einmaligen Frontalvortrag ohne Anpassung an die Abteilung
Copilot News, laufend 1 Stunde Frontalvortrag, mit der Möglichkeit Fragen zu stellen Mit der Geschwindigkeit der Tool-Entwicklung mithalten Einmal gelerntes Wissen, das nach drei Monaten veraltet ist
Vortrag zu einfachen Agents 2-3 Stunden Vortrag als leichten Einstieg in die Thematik der agentischen KI im Microsoft Universum Höhere Komplexität mit engerer Betreuung abfangen mit kleinerem Teilnehmerkreis Selbstständiges Ausprobieren ohne Begleitung
Governance Workshop 3-4 Stunden gemeinsames Einstellen des Tenants Tenant Einstellungen für eine sichere KI Nutzung vornehmen zusammen mit der IT und dem Betriebsrat oder dem Datenschutzbeauftragten Regelmäßiges Prüfen und Aktualisieren der Einstellungen durch den M365 Admin
AI Shadowing Ein/e Spezialist/in begleitet ausgewählte Mitarbeiter bei alltäglichen Aufgaben und Meetings, um geeignete Anwendungsfälle für KI-Integrationen zu identifizieren und diese gemeinsam auszuarbeiten Reale Arbeitsabläufe direkt beobachten und Use Cases finden, die kein Workshop vorab definiert hätte Die Umsetzung dieser Anwendungsfälle

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Der Punkt dahinter wird in der Praxis oft übersehen. Ein Impulsvortrag baut keine Kompetenz auf, das war nie sein Job. Eine Governance-Schulung motiviert niemanden zur täglichen Nutzung, das ist auch nicht ihre Aufgabe. Wer ein Format zur Universallösung erklärt, verlangt davon etwas, das es nicht leisten kann, egal wie gut es gemacht ist. Die "Hausaufgabe" vor der eigentlichen Schulung ist dabei kein bürokratisches Beiwerk. Sie sorgt dafür, dass die knappe gemeinsame Zeit nicht mit Grundlagen draufgeht, sondern für echte Anwendungsfälle genutzt wird.

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Was erfolgreiche Unternehmen anders machen

Vergleicht man Unternehmen, bei denen Copilot im Alltag tatsächlich genutzt wird, mit solchen, bei denen die Lizenz nach der Anfangsbegeisterung kaum noch angefasst wird, zeigt sich ein Muster, das sich über Projekte hinweg wiederholt. Wir haben angefangen über diese Unternehmen Erfolgsgeschichten zu schreiben, um zu zeigen es gibt sie, die Unternehmen, welche das Thema KI nachhaltig angehen.

Die erfolgreichen Fälle kombinieren mehrere Formate gezielt, statt eines davon zu wiederholen. Bei ProSieben zum Beispiel haben wir bewusst auf einen dezentralen Ansatz gesetzt, statt auf einen einzelnen zentralen Rollout. Ein AI-Champions-Programm gibt den Fachbereichen eigene Multiplikatoren, die einen Teil ihrer Arbeitszeit investieren, um Use Cases direkt in ihren Teams zu identifizieren und voranzutreiben. Parallel dazu haben wir ein Center of Enablement aufgebaut, mit wöchentlichen Sprechstunden und Community-Formaten, damit IT, Fachbereiche und wir als Partner im Austausch bleiben. Und weil Innovation ohne Leitplanken schnell zum Risiko wird, kam von Anfang an eine eigene Governance-Struktur dazu, die sichere Nutzung ermöglicht, statt sie zu verhindern. Drei Bausteine, drei unterschiedliche Funktionen, gleichzeitig aufgebaut statt nacheinander abgehakt.

Dazu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Unterschied: Wer im Unternehmen die Verantwortung trägt. Manche Unternehmen haben bereits eine Person oder ein kleines Team, das wirklich für KI zuständig ist, mit Zeit, Budget und Rückhalt aus der Führung. Dort kann ein Trainingskonzept auf eine vorhandene Struktur aufsetzen. Häufiger ist aber die zweite Variante: Jemand bekommt das Thema KI zusätzlich zur eigentlichen Rolle übertragen, ohne zusätzliche Zeit, ohne eigenes Budget. Dann bleibt selbst ein gutes Trainingskonzept wirkungslos, weil niemand die Strukturen zwischen den Terminen pflegt.

Diese Unterscheidung ist der eigentliche Kern eines funktionierenden KI-Trainingskonzepts: Nicht mehr Content, sondern die richtige Kombination zur richtigen Zeit für die richtige Zielgruppe, mit jemandem, der das aktiv begleitet.

Wie viel diese Begleitung wert ist, zeigt sich meistens erst im Rückblick. Bei ProSieben haben wir während einer die Governance-Session zum Beispiel eine Frage aufgeworfen, die vorher niemand gestellt hatte: Was passiert, wenn ein Agent Zugriff auf Kundendaten bekommt, die eigentlich nur für interne Zwecke freigegeben sind? Diese Frage kam nicht aus dem Impulsvortrag und auch nicht aus der Schulung. Sie kam aus einer Session, deren einziger Zweck es war, genau solche Fragen zu stellen, bevor sie in der Praxis zum Problem werden.

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Die aithoria Roadmap

Diese Kombination bildet die aithoria Roadmap ab, aufgeteilt in vier Phasen: Orientierung, Vorbereitung, Umsetzung und Weiterentwicklung.

Die Roadmap ist kein Alles-oder-Nichts-Paket. Jedes Modul lässt sich einzeln buchen. Die Reihenfolge folgt aber einer Logik, die sich aus genau den Mustern ergibt, die wir oben beschrieben haben.

In der Orientierungsphase geht es um den Impulsvortrag und die ersten Grundlagen, also darum, ein realistisches Bild davon zu schaffen, was Copilot leisten kann und was nicht. In der Vorbereitungsphase werden Use Cases identifiziert und priorisiert, oft mit Unterstützung von AI Shadowing, dazu kommt die verpflichtende Governance-Schulung. Die Umsetzungsphase ist die eigentliche Rollout-Zeit: zielgruppenspezifische Schulungstermine, erste Agenten für Teams mit passenden Use Cases, begleitende Office Hours. Die Weiterentwicklungsphase schließlich hält das System am Laufen, mit laufenden Copilot News, komplexeren Agenten für Teams, die bereit dafür sind, und regelmäßigen Reviews, ob die Nutzung tatsächlich hält oder wieder abflacht.

Ein Unternehmen, das direkt mit Agenten-Schulungen startet, ohne vorher Grundlagen und Governance geklärt zu haben, überspringt eine Phase, die später als Lücke wieder auftaucht, meistens als Sicherheitsfrage, die plötzlich niemand beantworten kann.

Innerhalb der Journey unterscheiden wir zusätzlich drei Spuren, je nach Zielgruppe und Komplexität: Copilot für die breite Belegschaft, Agenten für Teams mit klar abgegrenzten, wiederkehrenden Aufgaben, und Custom Development für Unternehmen, die eigene Lösungen bauen wollen. In unserem Blogpost zu unserer Roadmap sind die einzelnen Spuren nochmal genauer beschrieben. Jede Spur braucht andere Formate, eine andere Taktung und eine andere Betreuungsintensität. Eine einzelne Schulung für alle drei Spuren funktioniert deshalb praktisch nie gleich gut, egal wie gut der Trainer ist.

Vier verbundene Knotenpunkte bilden einen Weg von links nach rechts: Orientierung, Vorbereitung, Umsetzung und Weiterentwicklung. 1 2 3 4 Orientierung Impulsvortrag & Grundlagen Vorbereitung Use Cases & Governance Umsetzung Rollout & Office Hours Weiterentwicklung Agenten, News & Reviews Modular buchbar, aber mit klarer Reihenfolge.

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AI Shadowing: Der Blick in den echten Arbeitsalltag

Selbst das beste Format-Set hat eine Grenze. Kein Workshop kann vorab erraten, welche Use Cases in einem konkreten Team tatsächlich Zeit sparen würden. Hier setzt ein Ansatz an, den wir zunehmend einsetzen: AI Shadowing.

Statt Mitarbeitende in einem Raum zu schulen, begleitet ein/e Berater/in sie direkt im Arbeitsalltag und beobachtet reale Arbeitsabläufe. Bei einem Kunden aus der Logistikbranche zeigte sich dabei etwas, das kein Workshop vorher aufgedeckt hätte: Eine Sachbearbeiterin verbrachte täglich rund 40 Minuten damit, Frachtdokumente manuell in drei verschiedene Formate zu übertragen, eine Aufgabe, die in keiner Prozessdokumentation als Problem auftauchte, weil sie schlicht niemand als Problem empfand. Sie gehörte einfach zum Job.

Diese Art von Aufgabe findet sich in keinem Impulsvortrag und in keiner Schulung. Sie findet sich nur, wenn jemand tatsächlich zusieht, wie gearbeitet wird, statt zu fragen, wie gearbeitet werden sollte. Aus dem Frachtdokument-Beispiel wurde später einer der ersten Agenten des Unternehmens, gebaut in Copilot Studio, der die Übertragung zwischen den Formaten automatisch erledigt. Ohne die Beobachtung vor Ort wäre dieser Use Case vermutlich nie priorisiert worden, weil ihn niemand explizit als Problem gemeldet hätte.

AI Shadowing ersetzt keine Schulung, es ergänzt sie. Besonders wirksam ist es in der Vorbereitungsphase, wenn es um die Auswahl der richtigen Use Cases geht, und in der Umsetzungsphase, wenn der Rollout tatsächlich begleitet werden muss, statt nur angekündigt zu werden. Es schließt die Lücke zwischen Theorie und Praxis, die selbst gut gemachte Schulungen offenlassen.

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Fazit

Erfolgreiche KI-Trainingskonzepte brauchen nicht mehr Content. Sie brauchen das richtige Format zur richtigen Zeit für die richtige Zielgruppe, kombiniert zu einem Prozess statt zu einer einmaligen Maßnahme. Wie das im Mittelstand konkret aussieht, zeigen wir am Beispiel unserer bisherigen Projekte.

Wenn du gerade überlegst, welches Trainingsformat bei euch als Nächstes drankommt, lass uns 20 Minuten sprechen. Wir schauen uns gemeinsam an, wo eure Journey gerade steht, ganz ohne Verkaufsgespräch.

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Maja Willimowski

Microsoft AI Consultant

Maja ist Microsoft AI Consultant bei aithoria und forscht an der Schnittstelle von Mensch und KI. Mit Erfahrung in Machine Learning, Microsoft Fabric und IT-Transformation bei internationalen Unternehmen bringt sie sowohl wissenschaftliche Tiefe als auch praktische Beratungskompetenz mit. Zuvor war sie als Consultant bei Fellowmind in Schweden und als Research Assistant an der Hochschule RheinMain tätig.
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